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Entwicklung

“Im Widerspiel des Unmöglichen mit dem Möglichen erweitern wir unsere Möglichkeiten…”.
Ingeborg Bachmann

1978–1988

Gründungsjahre

Acht Frauen gründen im Mai 1978, in einem Garten mit Erdbeeren und Schlagsahne, das FrauenTherapieZentrum e.V.

Sie kommen aus unterschiedlichen Berufen und engagieren sich in der autonomen Frauen- und Lesbenbewegung und der Frauenselbsthilfe.

Geprägt sind sie auch von den Veränderungen nach der Psychiatrie-Enquête 1975 und der sozialpsychiatrischen Bewegung.

Die ersten Angebote des FTZ umfassen psychosoziale Beratung und Krisenintervention, präventive und therapeutische Angebote, Selbsthilfegruppen und Unterstützung bei der Wiedereingliederung in das Berufsleben.

Bürgerschaftliches Engagement, Selbsthilfe und zunächst gering bezahlte Arbeit gehen in den Aufbaujahren ineinander über.

Die zahlreichen feministischen Frauenprojekte in München schließen sich im „Frauen gehen zu Frauen e.V.“ zusammen.

Das FTZ mietet das große Haus in der Güllstraße 3 und vermietet Räume an andere Frauenprojekte – das „Treibhaus“ als Frauenprojektehaus entsteht.
In den 1980er Jahren kommen im FTZ Beratungsangebote für Frauen mit und nach Krebserkrankungen, mit psychosomatischen Beschwerden und mit Suchtproblemen hinzu.

1989–2000

Wachstum, Etablierung und Organisationsentwicklung

Das FTZ wächst und die Finanzierung wird verlässlicher. Zuständigkeiten und Aufgaben differenzieren sich. Erste Leitungsfunktionen werden etabliert. Die basisdemokratische, hierarchiearme Entscheidungs- und Organisationskultur bleibt prägend. Auch Fragen zu Bezahlung und gerechter Verteilung werden intensiv und feministisch diskutiert.

Parallel werden frauenspezifische und feministische Konzepte zunehmend anerkannt – fachlich wie politisch. Das FTZ beteiligt sich an Fachgremien, Arbeitsgruppen und Planungen in Sozialpsychiatrie, Suchthilfe, Selbsthilfe und Frauengesundheit, und stößt selbst fachliche Entwicklungen an. Im Projekt Fortbildung und Supervision werden externe Kolleginnen weitergebildet und beraten.

Das Angebot wird deutlich erweitert: Die Tagesstätte EigenSinn, das Arbeits- und Qualifizierungsprojekt „Fraueninfothek und Büroservice“, Betreutes Einzelwohnen für Frauen mit psychischen Erkrankungen, Traumatisierungen und Suchtproblemen und die ambulante Suchtrehabilitation entstehen.

Zum 20-jährigen Jubiläum erhält das FTZ den Anita-Augspurg-Preis der Landeshauptstadt München für besondere Leistungen zur Gleichstellung von Frauen. Gemeinsam mit anderen Frauen- und Mädchenprojekten gründet das FTZ das Münchner Frauen*netz, das bis heute gemeinsam für eine frauen- und mädchengerechte Stadt arbeitet.

2000–2008

Ausbau und neue Leuchtturmprojekte

Die Einrichtungen des FTZ erweitern und differenzieren sich. Sie orientieren sich an den Bedarfen von Frauen, schließen Versorgungslücken und entwickeln innovative Angebote.

Die psychosoziale Beratung für Frauen mit oder nach Krebserkrankungen wird Teil der Psychosozialen Beratungsstelle. Das Betreute Einzelwohnen wird ausgebaut und erhält einen eigenen Standort. Ein neues Modell verbindet Eingliederungs- und Jugendhilfe und ermöglicht Betreutes Einzelwohnen für psychisch erkrankte Mütter und ihre Kinder.

Weitere Meilensteine sind der Sozialpsychiatrische Dienst für Frauen, der Aufbau der Therapeutischen Wohngemeinschaften, die Erweiterung des Arbeitsprojekts FTZ Büroservice und die Praxis für Ergotherapie mit psychiatrischem, psychosomatischem und traumaspezifischem Schwerpunkt.

Gemeinsam mit anderen Feministinnen aus dem Arbeitsfeld entwickelt und veröffentlicht das FTZ Kriterien für eine frauen- und gendergerechte Qualität in der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung.

2008–2019

Umbau und Generationenwechsel

Mit VielFalten entsteht ein neuer Fachbereich mit Beratung und Betreutem Einzelwohnen für ältere psychisch erkrankte und suchtkranke Frauen.
THEA mobil bietet aufsuchende Ergotherapie für ältere Frauen an.

Zum 30-jährigen Jubiläum ist das FTZ zu einem sozialen Unternehmen gewachsen -mit zehn Einrichtungen, rund 100 Mitarbeiterinnen und großem Finanzvolumen.
Dies führt 2009 zu einem wichtigen strukturellen Schritt: Für die Bereiche Psychiatrie und Suchthilfe wird die FTZ gemeinnützige GmbH als Tochtergesellschaft gegründet. Die Psychosoziale Beratung und das Fortbildungsprojekt bleiben beim Verein.
Der FTZ Büroservice macht sich als Inklusionsbetrieb avanta selbstständig.

Mit violenTia wird ein weitgehendes Tabu in der frauenspezifischen Arbeit angegangen: Die Beratungsstelle richtet sich an Frauen, die in Partnerschaften Gewalt ausüben.

Gleichzeitig beginnt der Generationenwechsel: Die Gründerinnengeneration übergibt schrittweise Verantwortung an die nächste Generation.

2020–2026

Verstetigen – weiterführen – erneuern

Das FTZ hat inzwischen ein breites Spektrum frauenspezifischer Angebote. In einer Zeit finanzieller Herausforderungen gilt es nun, Erreichtes zu sichern, weiterzuentwickeln und zugleich neue Impulse aufzunehmen.

Die Corona-Pandemie verändert den Arbeitsalltag maßgeblich. Die Beratung und Unterstützung der Klientinnen können jedoch weitgehend aufrechterhalten werden. Digitale Beratungsformate werden entwickelt, und erleichtern den Zugang zu den Angeboten.

Mit den Hilfen zur Erziehung gibt es nun ein eigenes Angebot für die Kinder von Klientinnen, die im Betreuten Einzelwohnen des FTZ sind. Im Sozialpsychiatrischen Dienst und in der Tagesstätte EigenSinn bringen Ex-In-Genesungsbegleiterinnen ihre eigene Psychiatrie- und Krisenerfahrung in die Arbeit ein.

Die konsequente Beteiligung von Klientinnen und Nutzerinnen wird wichtiger – in der Qualitätssicherung, bei der Angebotsgestaltung, bei der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes und konzeptionell (z.B. Weiterentwicklung des Leitbildes, Offener Dialog, Netzwerkarbeit)

2026 erneuert das FTZ sein Design – analog und digital.

Heute

Stand Oktober 2026

Heute arbeiten rund 170 Fachfrauen im FTZ – Sozialarbeiterinnen, Pädagoginnen, Psychologinnen, Ergotherapeutinnen und Verwaltungsspezialistinnen – gemeinsam mit Praktikantinnen und bürgerschaftlich Engagierten.

Was 1978 mit acht engagierten Frauen begann, ist zu einer vielfältigen und fachlich etablierten Organisation gewachsen. Geblieben ist die Grundhaltung:
Vielfalt, Stärke, Kompetenz und Engagement – von Frauen für Frauen.
Den Gründungstag des FTZ feiern wir übrigens heute noch jedes Jahr mit einem Erdbeeressen.