Feministische Grundhaltung
„Das Private ist politisch“.
Erkrankungen, Problemlagen, seelische Krisen von Frauen verstehen wir immer im Zusammenhang mit ihren Lebensbedingungen in der Gesellschaft.
Rollen und kulturelle Erwartungen, strukturelle Benachteiligungen und Diskriminierungen, Zugang zu Geld und Ressourcen, Arbeitsbedingungen und andere Faktoren haben Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf von Krisen und Erkrankungen bei Frauen.
Frauen und Mädchen sind nach wie vor in hohem Ausmaß von Gewalt betroffen.
Wir erkennen und benennen Gewalt, und wir arbeiten dafür, sie zu beenden.
Sozialpsychiatrische Grundhaltung
Die Sozialpsychiatrie sieht seelische Krisen und psychische Erkrankungen ebenfalls im Zusammenhang mit den Lebenswelten und Lebensbedingungen der Menschen. Sie erforscht soziale Ursachen für Erkrankungen ebenso wie soziale Faktoren für Gesundheit, und hat ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit (seelisch – körperlich – sozial).
Sozialpsychiatrische Angebote sind nah an der Lebenswelt und im Sozialraum der Menschen, sie sind niederschwellig und ambulant. In sozialpsychiatrischen Teams arbeiten verschiedene Berufsgruppen auf Augenhöhe zusammen. Die Erfahrungen und Kompetenzen der psychiatrieerfahrenen Menschen und der Angehörigen / Zugehörigen sind gleichwertig (Trialog). Sozialpsychiatrisches Handeln ist vernetzt und kooperativ.
Die Sozialpsychiatrie setzt sich mit Aufklärung und politischer Initiative dafür ein, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht stigmatisiert oder ausgeschlossen werden, und dass ihre Lebens- und Versorgungssituation sich verbessert.
Gesundheit und Genesung
Wir orientieren uns an der Definition der Weltgesundheitsorganisation: Gesundheit ist ein Zustand von (theoretisch vollständigem) körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefinden und nicht nur das Fehlen von Symptomen, Krankheit oder Gebrechlichkeit.
Gesundheit ist ein Menschenrecht und steht immer in Zusammenhang mit sozialen Lebensbedingungen und dem Zugang zu Gesundheitsleistungen.
Seelische Gesundheit ist ein wichtiges Ziel unserer Arbeit. Das bedeutet nicht so sehr vollständige Genesung, sondern ein gutes und möglichst selbstbestimmtes Leben, auch mit Krankheits- und Krisenerfahrungen. Die psychiatrische Selbsthilfebewegung beschreibt das sehr gut mit Recovery.
Selbstfürsorge bedeutet, sich selbst gut zu kennen und gut für sich zu sorgen zu können, im privaten und im beruflichen Bereich. Dazu gehört: Selbstachtung und Selbstwirksamkeit, Gesundheit und Lebensbalance, soziale Kontakte und Unterstützung, Entwicklung und Wachstum, Sinnhaftigkeit.
Menschen, die von seelischen Krisen und Erkrankungen betroffen sind, hatten in ihrem Leben oft nicht die Möglichkeit, gut für sich zu sorgen. Es zu lernen und auszubauen, gehört zu den Zielen unserer Beratung und Begleitung.
Frauenraum
Die Räume im FrauenTherapieZentrum verstehen wir als geschützt.
Das bedeutet: Sie sind konkret geschützt durch bestimmte Regeln, z.B. wer wann Zutritt hat, sodass Frauen sich darauf verlassen können, dass sie sicher sind.
Sie sind auch geschützt als Raum für Austausch und Erfahrungen von Frauen untereinander.
Für die Gesundheit und Sicherheit von Frauen und ihren Kindern ist es unabdingbar, dass ihr privater Lebens- und Wohnraum geschützt ist.
Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung
Wir arbeiten dafür, dass Frauen sich selbst als handlungsfähig und wirksam erleben. Dazu gehört eine sichere Lebenssituation – Wohnung, Geld, Arbeit – ebenso wie ihre persönlichen Ziele, die Förderung ihrer Selbständigkeit und die Erweiterung ihres Spielraums.
Wir achten darauf, dass unsere professionelle Begleitung unterstützt, aber die Frauen nicht abhängig von Hilfe macht.
Wir fördern die Selbsthilfe und gegenseitige Unterstützung von Frauen auch in unseren Angeboten.
Traumasensibel arbeiten
Wir begleiten Frauen mit traumatischen Erfahrungen kompetent, achtsam, sicher und ressourcenorientiert.
Dazu gehört
- aktuelles Fachwissen über Traumatisierungen, ihre Ursachen, Ausprägungen und Folgen zu haben
- die Folgen von Traumatisierungen zu erkennen und damit fachlich umgehen zu können
- auf den Schutz und die Sicherheit zu achten, der für Frauen, die Traumatisierungen erlebt haben, in besonderer Weise wichtig ist
- Retraumatisierungen möglichst zu vermeiden
- Ressourcen und Selbstwirksamkeit zu fördern
Kultursensibel arbeiten
Wir gehen respektvoll, feinfühlig und bewusst mit der jeweils eigenen Kultur und anderen Kulturen um und setzen uns für kulturelle Öffnung ein.
Dazu gehört
- Verstehen und akzeptieren unterschiedlicher, kulturell geprägter Erlebens- und Verhaltensweisen
- Wissen aneignen über kulturelle Prägungen – aber keinesfalls als „Schubladen“, sondern mit einer fragenden Haltung
- Einfühlung in das Denken, Fühlen und Handeln von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen
Vielfalt
Wir verstehen und schätzen Vielfalt als wichtige Ressource. Das FTZ ist ein guter und solidarischer Ort für Frauen, die unterschiedlich sind in ihrem Alter, ihrer Lebenssituation, ihrer Biografie, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Kultur, ihrem Verständnis von Frausein, ihrer Persönlichkeit, ihrer feministischen Positionen. Daher heißt Vielfalt auch, sich auseinanderzusetzen mit Unterschiedlichkeit, diese anzuerkennen und nicht zu diskriminieren.
Teilhabe
Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist ein Menschenrecht. Dazu gehört soziales und kulturelles Leben, Bildung, Sport, Freizeit und auch politische Beteiligung. Für Menschen mit Erkrankungen, Einschränkungen und/oder fehlenden Ressourcen und Möglichkeiten ist die Teilhabe oft schwierig und mit Barrieren verbunden. Die UN-Behindertenrechtskonvention sagt, dass es zu den Aufgaben einer Gesellschaft gehört, dafür zu sorgen, Barrieren abzubauen und allen Menschen Teilhabe zu ermöglichen.
Frauen mit psychischen Erkrankungen haben häufig mit Barrieren zu tun, die nicht so sichtbar sind (Armut, Stigmatisierung, Benachteiligung).
Unsere Arbeit ist daran ausgerichtet, Frauen möglichst viel Teilhabe in allen Lebensbereichen, die für sie bedeutsam und gewünscht sind, zu ermöglichen.
Menschenrechte
Grundlage unserer Arbeit sind
- die von den vereinten Nationen erklärten, unveräußerlichen Menschenrechte
- die Kinderrechtskonvention der vereinten Nationen
- die „Istanbul-Konvention“ zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und von sogenannter häuslicher Gewalt
Das bedeutet, dass wir den Auftrag von sozialer Arbeit auch im Sinne der Menschenrechtsorientierung verstehen und Frauen beraten und unterstützen, ihre Rechte wahrzunehmen und einzufordern, wo sie nicht berücksichtigt oder verletzt werden.